Interview mit Dr. med. Sabine Zenker zum Thema Selbstbräunen

Dr. Sabine Zenker ist Fachärztin für Dermatologie und führt eine Privatpraxis für Dermatologie und Dermatochirurgie in München. In ihrer täglichen Arbeit widmet sie sich allen Aspekten der Allgemeinen sowie der Ästhetischen Dermatologie. Ihre Leidenschaft liegt in der klinischen Forschung für etablierte und innovative Technologien und Behandlungsmethoden. Dr. Zenker führt klinische Studien durch, veröffentlicht Beiträge in medizinischen Fachzeitschriften sowie in Publikumsmedien, ist Mitglied in nationalen und internationalen dermatologischen Gesellschaften und in Editorial Boards medizinischer Fachverlage. Seit Jahren ist sie weltweit eine gefragte Referentin und Trainerin für Ästhetische Dermatologie. Zudem ist sie als wissenschaftlicher Beirat für die Konzeptionierung internationaler und nationaler ausgewählter Kongresse stramitverantwortlich.

Frage: Frau Dr. Zenker, gebräunte Haut macht gute Laune. Sonnenbäder sind aber für unsere Haut nicht ungefährlich. Gibt es einen Weg zu gesunder Bräune? Eine Bräune ohne Risiko?

Dr. Sabine Zenker: „Selbstbräuner und Spraytanning sind der einzige Weg, frisch auszusehen beziehungsweise braun zu sein, ohne unsere Haut zu schädigen. Der sogenannte „Tanning Agent“ Dihydroxyaceton (DHA) ist in allen selbstbräunenden Produkten enthalten. DHA ist ein Zuckermolekül, das natürlicherweise auch im menschlichen Körper als natürliches Zwischenprodukt des Stoffwechsels vorkommt. DHA für selbstbräunende Produkte wird aus pflanzlichen Quellen wie z.B. Rüben oder Zuckerrohr gewonnen. Der Zucker reagiert mit Proteinen und Aminosäuren der Hornschicht bzw. der obersten Hautschicht, die sich als Folge nach zwei bis acht Stunden braun verfärbt. Da sich die Haut ständig erneuert, verschwindet die Bräune nach einigen Tagen, hält aber in der Regel – wenn man gut pflegt und Home-care-Selbstbräuner weiterverwendet – so lange wie Sonnenbräune.“

Frage: Was ist Spraytanning? 

Dr. Sabine Zenker: Spraytanning ist die professionelle Anwendung eines Selbstbräuners durch ein erfahrenes Kosmetikinstitut. Dabei wird der professionenelle Selbstbräuner mit Spezialgeräten in feinster Sprühung appliziert. So entstehen keine Streifen, Ränder oder Ähnliches sondern eine gleichmäßige Bräunung der Haut. Professionnelle Selbstbräuner sind ansprechend und hauttyp-adaptiert im Farbton und nicht gelb, sie richen nicht und halten in der Regel länger als die zum Selbstanwenden.

Frage: Können beim Selbstbräunen allergische Reaktionen auftreten?

Dr. Sabine Zenker: „Spraytanning- und Selbstbräuner-Produkte eignen sich grundsätzlich auch für Allergiker. Auch wenn das Produkt aus natürlichen Inhaltsstoffen besteht, können theoretisch und selten auf alle Kosmetikprodukte Unverträglichkeitsreaktionen bis hin zu Allergien auftreten. Meine Empfehlung: Wenn Sie eine empfindliche Haut oder Allergien haben, lassen Sie sich am besten eine kleine Probe abfüllen. Probieren Sie diese an einer kleinen Hautstelle aus und schauen Sie, ob Ihre Haut das Produkt verträgt oder ob z.B. Rötungen oder Juckreiz – auch noch nach ein paar Tagen – auftreten. Tritt keine Veränderung auf, steht der Verwendung vom Spraytanning- und Selbstbräuner-Produkt nichts im Weg.“

Frage: Helfen selbstbräunende Produkte bei Pigmentflecken?

Dr. Sabine Zenker: „Pigmentflecken treten auf der Haut auf, wenn das Pigment Melanin zu stark vorhanden oder ungleichmäßig verteilt ist. Diese Ansammlungen des Pigments sind dann auf der Hautoberfläche sichtbar. Sehr häufig ist die direkte oder auch indirekte Sonneneinstrahlung für das Ungleichgewicht verantwortlich. Es gibt aber auch andere Ursachen, wie hormonelle Umstellungen oder die Einnahme von photosensibilisierenden Medikamenten oder auch Parfum, wenn es direkt auf die Haut aufgesprüht wird. Braune sonnen- oder altersbedingte Pigmentflecken werden Lentigo simplex oder Lentigo solaris genannt. Sie sind am häufigsten an Körperstellen zu finden, die der Sonne direkt ausgesetzt sind, wie das Gesicht, Dekolleté, Schultern, Arme, Hände und Beine. Häufig sind auch die sog. Schwangerschaftsflecken, das Melasma: Meist im Gesicht, an Hals, Decolleté und Arme bizarr konfigurierte, braune, sehr störende Flecken. Und dann gibt es die sogenannten Altersflecken, die Lentigo senilis. Sie können schon ab dem 40. Lebensjahr auftreten und haben ebenfalls häufig die Sonne wie auch die Umstellung des Hormonhaushalts als Ursache. All diese Pigmentflecke haben gemeinsam, dass sie bei der Verwendung von Selbstbräunern nicht dunkler werden. Im Gegenteil: Mit einem Selbstbräuner oder einer Spraytanning-Lotion, dessen Farbe idealerweise dem eigenen Hautton angepasst wird, können Verfärbungen sogar kaschiert werden. Aus dermatologischer Sicht muss man hier nun auch noch die Flecken nennen, die gefährlich werden können: Muttermale und Veränderungen bis hin zum schwarzen Hautkrebs, dem Melanom. Deshalb: Zeigen Sie Pigmentflecken immer Ihrem Hautarzt – immer dann, wenn Sie sich unsicher sind sowie ein Mal im Jahr im Rahmen der Hautkrebsvorsorge!“

Frage: Welche Hauteigenschaften können das Bräunungsergebnis beeinflussen? 

Dr. Sabine Zenker: „Die Bräunung entsteht durch die Verbindung zwischen dem Zucker und den hauteigenen Aminosäuren. Zum Zeitpunkt der Anwendung sind z.B. der PH-Wert sowie der Feuchtigkeits- Fett- und Schuppenanteil der Haut wichtig. Ein „schlechter“ PH-Wert, also abweichend vom Durchschnittswert 5,5, kann das Bräunungsergebnis nachteilig beeinflussen. Deshalb: Machen Sie am Abend vor dem Spraytan ein Peeling, duschen Sie am Morgen der Behandlung, reinigen Sie die Haut und entfernen Sie das Makeup vor dem Spraytan mit milden Reinigungslotionen. 

Haben Sie weitere Fragen zu selbstbräunenden Produkten, das heißt zu Spraytanning und Selbstbräunern? Dann schicken Sie uns Ihre Frage an drzenker@fortispr.de. Vielen Dank.